Geschichte von FKK, Freikörperkultur, NudismusDer Umgang mit dem nackten Körper und der Freikörperkultur im Laufe der Geschichte ... die frühen Jahre |
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Bis etwa um 1830 wurde vielerorts - z.B. an der Seine und rund um Zürich (auf der Allmend) - nackt gebadet. Die Daquerreotypie wurde erst 1839 erfunden, deshalb fehlen fotografische Unterlagen aus dieser Zeit. Es waren vorwiegend Menschen aus der Arbeiterklasse, die ihren Körper nackt sonnten. Manchen Vertretern der oberen Gesellschaftsschicht war dieses "Treiben" ein Dorn im Auge, und auf ihre Beschwerden hin schritt die Obrigkeit ein und verbat das angeblich unzüchtige Freikörperkultur-Verhalten. Lange Zeit gingen Frau und Mann nur noch züchtig verhüllt und brav nach Geschlecht getrennt ins Wasser. Das bedeutet aber nicht, dass hin und wieder Menschen an einsamen Stellen ihre Hüllen fallen ließen, aber es geschah alle heimlich und versteckt.
Auch die Künstler, die sonst über so manche gesetzlichen Hürden sprangen, verzichteten auf Freilicht-Akte. Körperstudien in der Landschaft bei natürlichem Licht, gehörten nicht zu ihrem ästhetischen Programm, sie entsprachen einfach nicht dem Zeitgeschmack. Darum entstanden die ersten Aktaufnahmen praktisch ausnahmslos im Atelier.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen die ersten Kunstfotografen "en plein air" zu arbeiten. Vom Fotografen René Le Bêgue stammt der Satz: "Alle Maler, welche in freier Luft nach lebendem Modell arbeiten, wissen, wie sehr das nackte Weib im landschaftlichen Rahmen unter den mannigfachen Wirkungen der Lichter eine reine und keusche Schönheit annimmt." Vor dem Aufkommen der illustrierten Zeitung (nach dem ersten Weltkrieg) war die große Zeit der Ansichtskarten als Medium erotischer Bildphantasien. 1899 wurden in Deutschland 88 Millionen Postkarten produziert. Von der Galanterie bis zur pornografischen Darstellung, vom Künstler-Akt bis zur Fkk-Fotografie - nichts, was auch als Postkarte aufgelegt wurde. Diese Postkarten wurden gesammelt und getauscht, aber kaum verschickt. Als Sonderform der Freilicht-Aktfotografie trat Anfang der zwanziger Jahre die Fkk-Fotografie auf den Plan. Ihren Durchbruch hatte diese Bildgattung nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, als die Frage nach dem Körper lauter und öffentlicher gestellt wurde. Ideologisch wurzelte die Fkk-Fotografie in den bürgerlichen Reformbewegungen des späten 19. Jahrhunderts, die wiederum als Reaktion auf Industrialisierung, Verstädterung, Wohnungselend, Ernährungsmissstände usw. entstanden waren. Die Kritiker des Wilhelminismus fanden in Nacktkultur und Tanz, Vegetarismus und Gymnastik, Kleider-, Sexual- und Ehereform die vorläufig gültigen Antworten.
Heinrich Scham/Pudor prägte nach der Jahrhundertwende den Begriff "Nacktkultur". Fedor Fuchs richtete vor den Toren Berlins das erste Fkk-Gelände ein. Nach 1920 hatte sich die Bewegung weitgehend organisiert in ideologisch unterschiedlich ausgerichteten Verbänden (von bürgerlich bis sozialistisch), mit eigenen Zeitschriften wie "Licht-Land" oder "Die neue Zeit", deren wachsender Bildbedarf von professionellen Fotografen wie Gerhard Riebicke gedeckt wurden. Dass ihre Bilder auch als Stereo- und Postkarten in den Handel kamen, deckt die - häufig verleugnete - erotische Komponente dieser Fotografien auf.
Es war vor allem die Fkk-Bewegung, die die Körperstudie in der freien Natur entdeckte bzw. zum zentralen Bildgegenstand erhob. "Lichtgruss", "Sonnengebet" usw. wurden zu immer wieder neu abgewandelten Bildmustern, die sich in ihrer (auch technischen) Schlichtheit bewusst von den Glamour-Studioaufnahmen abzusetzen versuchten. Den Amateurfotografen, die von der Fkk-Fotografie begeistert waren, kam die Entwicklung der Fototechnik entgegen, bald konnte jeder ohne großen Aufwand seine (mehr oder weniger erotisch inspirierten) Körperstudien in freier Natur realisieren.
Zusammen mit dem nüchtern-distanzierten Künstlerakt bildet die Fkk-Fotografie einen Gegenpol zur fotografischen Pikanterie. Diese erotischen Bilder leben vom Reiz des strategischen Verhüllens. Schuhe und Strümpfe, Schleier und Strapse, Federn und Fächer zählen zu den Attributen der Erotik. Dekor und Requisiten steigern die Bildwirkung. Diese Mittel sind in der Fkk-Fotografie nur in wenigen Fällen auszumachen.
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